ARD zeigt Dokumentation «Verraten - Sechs Freunde und ein Spitzel»
verfaßt von TeamStasiopfer, E-Mail: mail [at] stasiopfer.de, 10.07.2007, 21:10 Uhr
«Warum hast du deine Freunde verraten?», wird der ehemalige Stasi-Spitzel, Arnold Schölzel, heute Chefredakteur der Zeitung «Junge Welt», gefragt. Nach kurzem Zögern antwortet dieser: «Naja, ihr habt 17 Millionen verraten.»
Es geht um die DDR, den Widerstand und den Verrat, den es auch unter den Gegnern des Regimes gab: Unter dem Titel «Verraten - Sechs Freunde und ein Spitzel» zeigt die ARD an diesem Mittwoch (23.30 Uhr) eine Dokumentation über eine Gruppe von Oppositionellen, die sich in den 70er Jahren an der Ost-Berliner Humboldt-Universität traf. Ihr Ziel war ein «Sozialismus mit menschlichem Antlitz». Was die Mitglieder der Gruppe nicht wussten: Unter ihnen saß ein Spitzel.
«Warum hast du deine Freunde verraten?», wird der ehemalige Stasi- Spitzel, Arnold Schölzel, heute Chefredakteur der Zeitung «Junge Welt», gefragt. Nach kurzem Zögern antwortet dieser: «Naja, ihr habt 17 Millionen verraten.» Die sechs Philosophiestudenten trafen sich damals unter konspirativen Bedingungen. Mit Decknamen und Klopfzeichen, Gesprächsverbot gegenüber Freunden und Familienmitgliedern versuchten die Studenten, der Überwachung durch den DDR-Geheimdienst zu entgehen.
«Die wussten alles!», meint jedoch der Kopf der Gruppe, Klaus Wolfram, im Rückblick verbittert. Gerade der vermeintliche Freund, den Klaus selbst in die Gruppe eingeführt hatte, war der Verräter. Hunderte von Gesprächsprotokollen lieferte der Inoffizielle Mitarbeiter (IM) der Stasi unter dem Namen «André Holzer» an die Behörde. Alle Mitglieder der Gruppe wurden beschattet und schließlich verhört und verhaftet. Berufsverbote, Parteiausschlüsse und ein jahrelanges Leben unter Beobachtung bis 1989 waren die Folge.
Erst Anfang der 80er Jahre erhärtete sich in der Gruppe der Verdacht, wer der Spitzel ist. Gewissheit hatte sie erst nach der Wiedervereinigung bei Einblick in die Stasi-Akten. Schölzel gibt in dem Film zu, IM gewesen zu sein. Reue zeigt er nicht.
Aus den Stasi-Unterlagen rekonstruierte die Regisseurin Inga Wolfram, Frau des Protagonisten Klaus Wolfram, den Vorgang und berichtet zusätzlich aus ihrer persönlichen Perspektive. Günter Schabowski, ehemaliges Mitglied des Politbüros der SED, lobte die vom WDR produzierte 45-minütige Doku bei der Vorstellung am Montag in Berlin. Er sprach von einem «sehr politischen, sehr menschlichen» Film. Dieser sei ein «dokumentarisches Gegenstück» zu dem Oscar- gekrönten Kinofilm «Das Leben der Anderen».
(dpa)
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Re:ARD zeigt Dokumentation «Verraten - Sechs Freunde und ein Spitzel»
verfaßt von M.Falcke, E-Mail: nicht-oeffentlich [at] einsehbar.de, 12.07.2007, 01:07 Uhr
Ebenso wenig wie die SED/PDS/ DieLinke etwas mit Links zu tun hat, ebenso wenig hat ein Arnold Schölzel und das von ihm redaktionell geführte Blättchen "Junge Welt" mit Demokratie und Wahrheit zu tun. Aber das ist kein Zufall, wenn man die Biografie dieses verkommenen Stasispitzels Arnold Schölzel kennt.
Ich sah soeben die Dokumentation auf ARD "Verraten - Sechs Freunde und ein Spitzel". Ein leiser aber eindringlicher Dokfilm. Er erzählt von aufrührerischen Philosophiestudenten, die nicht nur versuchen das verschrobene Zerrbild der in der DDR gelehrten Philosophie zu hinterfragen, sondern auch nach individuellen Möglichkeiten des Widerstands suchen. Und dies im Jahr 1977 - nur ein Jahr nachdem Biermann ausgebürgert wurde und tausende Intellektuelle dem repressiven Druck der SED und der Stasi angstvoll begegneten. Schliesslich führte die SED und die Stasi 1976 eine Säuberungsaktion und eine Verhaftungswelle durch.
In dieser kleinen Gruppe von oppositionell tätigen Studenten ist natürlich auch die Stasi mit einem Stasispitzel vertreten: mit Arnold Schölzel. Der aus Bremen stammende Bundeswehrflüchtling, der in die DDR übersiedelte und freiwillig für die Stasi als Spitzel aktiv wurde.
Arnold Schölzel tritt in der Dokumentation selbst auf und kennt bis heute keine Skrupel für seine Taten. Für ihn waren die sechs eine feindliche Gruppierung die er gerne und bewusst bekämpft hat. Bis heute hat er keine Zweifel, er konnte damals ruhig schlafen und findet selbst seine legendierte Mitverhaftung zur Tarnung seiner Spitzeltätigkeit völlig in Ordnung. So konnte er nicht enttarnt werden und war auch zu späterer Zeit in anderen oppositionellen oder intellektuellen Kreisen der DDR als ein willfähriger Stasispitzel im Einsatz.
Dieser Mann, dieser Arnold Schölzel ist bis zum heutigen Tage unbelehrbar, kalt und seelenlos der extremistischen Ideologie der SED verhaftet geblieben. In dem von ihm als Chefredakteur verantworteten Blatt "Junge Welt" wird Geschichtsklitterung betrieben, bekommen Täter des MfS Raum für Rechtfertigungen und es mangelt auch nicht an halbwahren und rabulistischen Stilblüten zugunsten des auf "historische Wahrheit" gebürsteten Kommunismus.
Schade das der Film zu so später Stunde lief, damit wenig Publikum erreichen konnte. Er zeigt die Widersprüche unserer Zeit sehr authentisch: geistige Brandstifter und Täter der zu Recht untergegangenen DDR können es nicht lassen. Ebenso wenig wie Rufmörder der Sorte Bodo Walther, die zudem folgenden Unsinn Glauben machen wollen. "Das Strafrecht der DDR zog eine Grenze für Denken, Reden und Handeln. Wer sie übertrat, wurde verhaftet und saß beim Ministerium für Staatssicherheit ein. Wer dort nie war, hat sie nie übertreten."
Dieser Dokfilm zeigt, wie die Stasi im Sinne der Zersetzungsrichtlinie 1/76 gegen organisierte Kritik an der DDR vorging, die Kinder von hohen Funktionären vor der Verhaftung schützte oder in der Bundesrepublik bekannte DDR-Oppositionelle aus Imagegründen haftverschonte.
Die sechs Protagonisten empfinden nur Verachtung für Arnold Schölzel. Aus ihnen wurden kritische und überwiegend prominente DDR-Bürgerrechtler die auch beruflich in der Bundesrepublik erfolgreich wurden. Sozusagen ein Happy End - wenn es nur nicht solche Typen wie Arnold Schölzel gäbe. Wikipedia vermerkt über ihn u.a.:
"Nachdem Schölzel in die DDR gewechselt war, verpflichtete er sich unter dem Decknamen „André Holzer“ als inoffizieller Mitarbeiter (IM) für das Ministerium für Staatssicherheit. Als IM „André Holzer“ war er auf eine studentische Oppositionsgruppe an der Humboldt-Universität angesetzt, der er zum Schein selbst angehörte. Zeitweise gab er täglich detaillierte Informationen an das Ministerium für Staatssicherheit weiter. Der Studentengruppe gehörten unter anderen der Bürgerrechtler Wolfgang Templin, der heutige Chefredakteur der Zeitschrift „Sinn und Form“, Sebastian Kleinschmidt, und der „BasisDruck“-Verleger Klaus Wolfram an. Stefan Wolle, Mitarbeiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin, nennt Schölzel einen „IM aus wirklicher Begeisterung, der mit größter Perfidie die Menschen, mit denen er befreundet war, permanent hinterging"
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Spitzel mit Spitzenleistung
verfaßt von TeamStasiopfer, E-Mail: mail [at] stasiopfer.de, 12.07.2007, 04:12 Uhr
Dramatischer als "Das Leben der Anderen": Die ARD-Dokumentation "Verraten" zeichnet eindringlich nach, wie systemkritische Studenten in der DDR von einem Kommilitonen überwacht wurden - und konfrontiert den Täter mit seinen Opfern.
Der Täter gibt Auskunft. Beredt, trocken, abwägend. Eine Gruppe von sechs Freunden hat Arnold Schölzel Ende der Siebziger für die Stasi bespitzelt. Die anderen wollten einen demokratischen Sozialismus, Schölzel glaubte das System der DDR verteidigen zu müssen. Also fertigte er Protokolle über das Treiben der Regimekritiker an; über 1000 sind es am Ende geworden, sein Observationseifer war offensichtlich unerschöpflich. Im Film wird der Stasi-Spitzel vor laufender Kamera angeklagt: "Du hast uns verraten - und dabei kein schlechtes Gewissen?" Seine Erwiderung: "Ich habe das immer als Politikum begriffen."
Die damalige Oppositionsgruppe (im Audimax an der Berliner Humboldt-Universität): Sebastian Kleinschmidt, Klaus Wolfram, Jan Lautenbach, Wolfgang Nitsche, Dieter Krause und Wolfgang Templin, v.l.
WDR
Die damalige Oppositionsgruppe (im Audimax an der Berliner Humboldt-Universität): Sebastian Kleinschmidt, Klaus Wolfram, Jan Lautenbach, Wolfgang Nitsche, Dieter Krause und Wolfgang Templin, v.l.
Der Verweis aufs große Ganze zur Verschleierung individueller Schuld ist eine altbekannte Strategie; in den 17 Jahren seit der Wiedervereinigung wurde sie wieder und wieder angewendet. Doch in dieser Dokumentation kommt es zu einer bislang ungesehen Konfrontation zwischen Täter und Opfern, das bringt eine neue Dimension in die Aufarbeitung.
Denn gedreht wurde "Verraten" von Inga Wolfram - der Ehefrau eines der sechs observierten Mitglieder der Oppositionellen-Gruppe. Auch sie stand durch Schölzels Spitzeldienste mit einem Fuß im Gefängnis; ihr Film erzählt also gleichsam aus der Wir-Perspektive. Es ist eine durchaus riskante Technik, die Opfer selbst das Verbrechen rekonstruieren zu lassen. Denn natürlich kann man aus dieser Position nicht objektiv richten und berichten. Aber eben darum geht es in "Verraten" auch gar nicht: Die Schuld, sie ist ja längst geklärt. In der Birthler-Behörde lagern Hunderte von Akten, die den Nachweis über Schölzels Spitzeltätigkeit erbringen. Leugnen wäre zwecklos, der Denunziant versucht es erst gar nicht.
Stattdessen offenbart sich in dem emotional aufgeheizten 45-Minüter (heute Abend, 23.30 Uhr) ein erhellendes Szenario aus Verschwörung und Verrat. Der Kinohit "Das Leben der Anderen" mit seinem relativ schlichten Lügen- und Läuterungstheater wird hier nicht nur an melodramatischer Wucht, sondern vor allem auch an psychologischer und politischer Komplexität übertroffen.
Kein schmieriger Stasi-Scherge
Der Verräter Schölzel etwa, so schonungslos er von seinen Opfern attackiert wird, war weit mehr als ein eindimensionaler Opportunist. Kein schmieriger Stasi-Scherge, wie man ihn aus den einschlägigen Filmen kennt. Er war ein Überzeugungstäter, dessen Motivation für den Spitzeldienst in der eigenen Geschichte zu finden ist: In den Sechzigern floh er aus der BRD vor dem Wehrdienst in ein System, das ihm ideal erschien. Heute verwaltet Schölzel als Chefredakteur der "Jungen Welt" die geistigen Rückstände des einst realen Sozialismus. Der Mann war kein Mitläufer, der Mann glaubte in einer Mission unterwegs zu sein. Das war es wohl, was ihn als Spitzel zu Spitzenleistungen antrieb.
In den Philosophiestudenten der Humboldt-Universität zu Berlin, die sich in den Siebzigern zu einer oppositionellen Gruppe zusammenschlossen, konnte jemand wie Schölzel nur Feinde sehen. Auch sie hatten eine Mission: "Es war klar, dass wir tun müssen, was wir denken", erinnert sich einer. Man sah sich nicht als studentischer Debattierclub, irgendwann wurde der Rotwein abgesetzt. "Das war kein 68er-Leben, wir wollten die Regierung stürzen!", erklärt ein anderer.
Dabei formierte sich dieser Widerstand aus dem geistigen Machtzentrum der DDR selbst. Die jungen Verschwörer waren Abkömmlinge von Parteifunktionären oder von verdienstvollen Antifaschisten. Dass sie studieren konnten, war ein Privileg, welches ihnen ein Staat zukommen ließ, den sie abschaffen wollten.
Es ist das Aufzeigen dieser gesellschaftspolitischen Widersprüche, die "Verraten" zu einer ergiebigen Studie über den geistigen Widerstand in der DDR macht - und zu einer wichtigen Ergänzung zu der viel beachteten Dokumentation "Jeder schweigt von etwas anderem". In dem vom ZDF koprodizierten Film sind vor allem die Willkür-Opfer des Stasi-Apparats zu Wort gekommen, in der WDR-Arbeit geht es nun um die kritischen Geister, die das System DDR selbst erzeugt hat. "Wir waren Kinder der herrschenden Klasse", heißt es am Ende des Films.
Wie alle anderen Aufarbeitungen stützt sich auch "Verraten" auf die penibel festgehaltenen Observationsvorgänge, die in der Birthler-Behörde in Form von Papierbergen lagern. "Eine Chronik unseres Lebens" nennt Inga Wolfram die Spitzel-Berichte. Nichts geht verloren, alles steht in den Akten. Welch Ironie: All die Aufzeichnungen, die angefertigt wurden, um die Kritiker zum Schweigen zu bringen, legen nun Zeugnis vom Unrechtsstaat ab.
SPON vom 11.07.2007, von Christian Buß
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Re:Spitzel mit Spitzenleistung
verfaßt von insulaner, E-Mail: ingo-t [at] trifti.de, 12.07.2007, 10:26 Uhr
Ja, der feine Herr Schölzel...
Was geht in einem Menschen mit ausgerechnet dieser Vergangenheit vor, daß er in seinem Blättchen zu allen Themen ANDERE Artikel verfassen läßt, er aber sobald es irgendwie um das Thema "Bespitzelung" geht, das Artikel-Schreiben nicht nur zur Chefsache macht, sondern dabei regelmäßig locker-flockig auch das Wort "Staatssicherheit" mit einflechtet, als hätte gerade er die höchstmögliche Befugnis, derartiges OBJEKTIV beurteilen zu können!
Der Spruch mit den Steinen aus'm Glashaus werfen scheint dem werten Herrn Schölzel gänzlich unbekannt zu sein!
...-Okay, ironisch betrachtet kann man seine JW-Artikel natürlich auch so einordnen, daß Herr Schölzel sich hinsichtlich seiner Artikel als das sieht, was er "im Westen" schon mal war: "Kanonier"!
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Re:ARD zeigt Dokumentation «Verraten - Sechs Freunde und ein Spitzel»
verfaßt von Rico, E-Mail: eastclintwood [at] gmx.de, 31.07.2007, 13:04 Uhr
ohne Kommentar ... [file] [file]
Rico
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Re:ARD zeigt Dokumentation «Verraten - Sechs Freunde und ein Spitzel»
verfaßt von Rico, E-Mail: eastclintwood [at] gmx.de, 31.07.2007, 15:56 Uhr
Hoppla,
da ist wohl was schiefgelaufen, daher noch einmal das gemeinte Dokument als Link: